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Aufbau und Prinzipien des Trainings
Auf den Trainingsprozeß wirkt eine Vielzahl unterschiedlicher Gesetzmäßigkeiten, wie z.B. biologischer, pädagogischer, psychologischer Art, ein.
Die Kenntnis dieser Gesetzmäßigkeit ist mitentscheidend für eine effektive Gestaltung des Trainings. Die Prinzipien bzw. Grundsätze des sportlichen Trainings dienen dazu, die methodische Handlungsfähigkeit von Sportlern / Patienten und Trainern / Therapeuten zu optimieren.

Zu beachten ist jedoch, daß sie nicht isoliert, sondern aufgrund ihrer unlösbaren Zusammenhänge komplex betrachtet und angewandt werden müssen. Die Prinzipien der Trainingsgestaltung beziehen sich auf alle Seiten und Aufgaben des Trainings, sie bestimmen den Inhalt und die Methoden sowie die Organisation.
Sie stellen verbindliche Handlungsaufforderungen für die Sportler (Patienten) bzw. Trainern (Therapeuten) dar, da sie sich auf die bewußte und komplexe Anwendung der Gesetzmäßigkeiten im Trainingsprozeß beziehen.
übersicht zu den Trainingsprinzipien und die zugehörigen biologischen Gesetzmäßigkeiten / Einflußfaktoren.


Bedeutung für das Geschehen Trainingsprinzip (P) Biologischer Einflußfaktor
Auslösung der Anpassung P. des trainingswirksamen Reizes Reizstufenregel
P. der ansteigenden (progressiven) Belastung
allmählich; sprunghaft
parabolischer Kurvenverlauf des Adaptionsprozesses
P. der Variation der Trainingsbelastung Reizstufenregel
Sicherung der Anpassung P. der optimalen Gestaltung von Belastung und Erholung Superkompensation, Heterochronizität der Adaptation
P. der Wiederholung und Kontinuität Deadaptation
P. der Periodisierung und Zyklisierung Phasencharakter des Adaptationsverlaufs
Spezifische Steuerung der Anpassung P. der Individualität und Altersgemäßheit individuelle Adaptationsfähigkeit
P. der zunehmenden Spezialisierung spezifische Adaptation
P. der regulierenden Wechselwirkung einzelner Trainingselemente Wechselwirkung von spezifischer und unspezifischer Adaptation

1. Prinzip des trainingswirksamen Reizes
Das Prinzip beinhaltet die Notwendigkeit, daß der Belastungsreiz eine bestimmte Schwelle überschreiten muß, damit ein Leistungszuwachs erzielt werden kann.
Die notwendige Höhe des Reizes ist dabei vom Trainingszustand abhängig. So ist z. B. beim Krafttraining vom Untrainierten eine Mindestreizstärke von 30% der individuellen (isometrischen) Maximalkraft, beim hochgradig trainierten von etwa 70% zu überschreiten.

2. Prinzip der ansteigenden (progressiven) Belastung
Das Prinzip ergibt sich aus der gesetzmäßigen Beziehung zwischen Belastung, Anpassung und Leistungssteigerung. Nach diesem Grundsatz müssen die Anforderungen systematisch gesteigert werden.
Bleiben Trainingsbelastungen über einen längeren Zeitraum konstant, dann verlieren sie ihre Wirksamkeit für die Leistungssteigerung, es kann sogar zu Leistungseinbußen führen.

3. Prinzip der Variation der Trainingsbelastungen
Im Rahmen wirksamer Trainingsbelastungen darf die Rolle des sympathischen vegetativen Nervensystems (Sympathikus) nicht übersehen werden.
Der Sympathikus versetzt den Körper in den Zustand hoher Leistungsbereitschaft, was notwendige Voraussetzung für wirksame Trainingsbelastungen ist. Ständig gleichbleibende Trainingsbelastung bewirken wegen der Belastungsmonotonie auch eine Abnahme des ergotropen (leistungssteigernden) Effekts und führen damit zu einer Stagnation in der Trainingswirkung.
Durch änderung der Belastungscharakteristik (Intensität / Umfang / Bewegungsdynamik / Pausengestaltung) kann wieder eine wirkungsvolle vegetative Stimulation erreicht werden. Trainingslehre - Grundlagen

4. Prinzip der optimalen Gestaltung von Belastung und Erholung
Dieser Grundsatz berücksichtigt die Tatsache, daß nach einer wirkungsvollen Trainingsbelastung eine gewisse Zeit der Wiederherstellung notwendig ist, um eine erneute gleichgeartete Belastung bei günstigen Voraussetzungen durchführen zu können. Belastung und Erholung sind gewissermaßen als Einheit zu betrachten. Diese Belastungs - Erholungsverhalten des Organismus wird auch als Superkompensation beschrieben.

5. Prinzip der Wiederholung und Kontinuität
Zum Erreichen einer optimalen Anpassung ist es notwendig, mehrfach die Belastung zu wiederholen, da für eine stabile Anpassung der Organismus zunächst eine Reihe von akuten Umstellungen einzelner Funktionssysteme durchlaufen muß.
Die endgültige Adaptation ist erst erreicht, wenn über die Anreicherung von Substraten (= energiereiche Stoffe) hinaus auch in andere Funktionssystemen (z.B. Enzymsystem, Hormonsystem) Umstellungen erfolgten und vor allem auch das Zentralnervensystem als die Führungsinstanz von Bewegungsleistungen sich angepaßt hat.

6. Prinzip der Periodisierung und Zyklisierung

Die Belastung kann nicht ganzjährig im Grenzbereich der individuellen Belastbarkeit bleiben. Sehr leicht ist ansonsten die Gefahr damit verbunden, von der anabolen (aufbauenden) zur katabolen (abbauenden Stoffwechsellage) zu gelangen.
Aus diesem Grunde muß der Wechsel zwischen Belastung und Entlastung, zwischen Umfangserhöhung und Intensitätserniedrigung etc. Einem periodischen Wandel unterworfen werden. Trainingslehre - Grundlagen

7. Prinzip der Individualisierung und Altersgemäßheit
Es ist sehr wichtig die individuellen Gegebenheiten des Sportlers zu berücksichtigen, da die Vielfalt der Einflußfaktoren auf eine bestimmte Leistung, aus einer unübersehbaren Varietät besteht.
Letztlich unterliegen diese Persöhnlichkeitsmerkmale der biologischen Entwicklung, d.h. dem biologischen Alter (dies kann durchaus dem kalendarischen Alter widersprechen).

8. Prinzip der zunehmenden Spezialisierung
In Abhängigkeit von der Spezifität der Belastungsreize unterscheidet man unspezifische und spezifische Anpassungen des Organismus. Die spezifische Adaptation erstreckt sich in starkem Maße auf die unmittelbar beanspruchten Organsysteme und äußert sich mehr eingeschränkt (lokal).
Die unspezifische Ausdauer z.B. liegt primär mehr in der vom Bewegungsablauf geprägten Funktionsmuskulatur begründet, in zweiter Linie erst in der Sauerstoffaufnahme und Herzfunktion.

9. Prinzip der regulierenden Wechselwirkung einzelner Trainingselemente
Angesprochen ist hier die dosierte Abstimmung des Trainings der verschiedenen konditionellen Fähigkeiten und des Verhältnisses von Konditions- und Techniktraining.



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