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Belastungsmuster in sportarttypischen Bewegungen, der Lauf

Abhängig ist das Belastungsmuster von Faktoren wie:
- Körpergewicht
Jogger- Laufgeschwindigkeit und- technik
- Laufterrain
- Laufschuh
- Statische Verhältnisse der unteren Extremität des Läufers
- Mechanisch relevante Variationen des Laufstiles

Die mechanische Belastung des Läufers, durch verschiedene Faktoren beeinflußbar, wird primär durch den spezifischen Bewegungsablauf vorgegeben.

Wird die Phase des Stützens genauer unterteilt, so kann man im Sinne der sich am häufigsten manifestierenden überlastungsschäden folgende Unterteilung treffen:
- Landephase
- Mittlere Standphase
- Abstoßphase

Nach Hauptbelastungszonen beim Fußaufsatz wird zusätzlich die Unterscheidung getroffen in:
- Rückfußläufer
- Mittelfußläufer
- Vorfußläufer

Beim Aufsetzen des Fußes können Kräfte auftreten, die bis zum dreifachen des Körpergewichts betragen können. Betrachtet man dabei das Druckdiagramm beider Füße eines Läufers, treten unterschiedliche Druckzentren beim gleichen Läufer auf.

Die sog. Rückfußläufer/Fersenläufer haben beim Aufsetzen das Knie gestreckt, bei Vor- und Mittelfußläufern dagegen ist das Knie gebeugt, so daß aus diesen Tatsachen heraus Ursachen für überlastungsschäden möglich sind.

Beim Langstreckenläufer werden beim Laufstil der sogenannte Schreitstil und der sogenannte Tretstil unterschieden; dazu kommt dann noch der häufig vom Anfänger ausgeübte plattfüßige Laufstil.
Beim Schreitstil den etwa 80% der Läufer bevorzugen, geschieht die Abrollung von der Ferse her (Fersenlauf). Bei diesem Laufstil neigen die Läufer zu raumgreifenden Schritt. Dieses überziehen des Schrittes wird als Overstriding bezeichnet. Der Läufer landet weit hinten auf der Ferse, wodurch die ischiocrurale Muskulatur überlastet werden kann.

Demgegenüber findet man bei Bahnläufern und hier besonders bei Spitzenläufern den sog. Tretstil; hierbei findet zunächst der Ballenaufsatz des Vorfußes statt mit anschließendem Absinken des Rückfußes. Die vertikale Stoßbelastung ist bei diesem Ballenlauf, der einem Gelenk die Beteiligung an der Dämpfung erlaubt, erheblich geringer als bei anderen Stilarten. Der Nachteil dieses Laufstils liegt in der überlastung der retrotibialen Muskelgruppe ( shint splint syndrom), die in der Landephase des Fußes das Absinken des Fersenbeines kontrolliert. Zusätzlich werden durch den Ballenaufsatz die Mittelfußknochen einer größeren Beanspruchung ausgesetzt.

Mehr zum Fersenlauf (der häufigste Laufstil mit Schuhen)
Hier sieht der Bewegungsablauf im Bereich des Fußes wie folgt aus :
Die Ferse setzt während des ersten Bodenkontaktes außen (lat.) von der Fußmittellinie auf. Das Fersenbein (calcaneus) ist varisiert, der Fuß supiniert. Mit dem Abrollvorgang beginnt der Rückfuß nach innen abzuknicken, d.h. das Fersenbein führt eine Valgisationsbewegung aus, der Vorfuß proniert. In der weiteren Abwicklung des Fußes kehrt sich diese Bewegung wieder um, d.h. die Ferse wird erneut varisiert, und der Fuß verläßt den Boden in leichter Supinationsstellung.

Der wesentlich gesündere Vorfußlaufstil, keine Technik nur für Profis
Eine Veränderung des Laufstils kann auch Verletzungen vorbeugen.
Was haben Haile Gebrselassie, Dieter Baumann und zahlreiche andere Topathleten auf den Mittel- und Langstrecken gemeinsam? Sie alle bedienen sich der Technik des Vorfußlaufens, um hohe Geschwindigkeiten in Training und Wettkampf erzielen zu können.
"Nur etwas für kenianische Welteliteläufer und einige wenige Ausnahmen, die diese Technik in die Wiege gelegt bekamen", sagen die Kritiker. "Weit gefehlt! Vorfußlaufen ist erlernbar", sagen dagegen viele Laufexperten und verweisen auf Fälle wie Jürgen Zäck. Der radstarke Triathlet, dessen Laufleistungen stagnierten, konnte nach einer Technikumstellung auf das Vorfußlaufen seine Laufleistungen deutlich verbessern. Was ist also dran am Vorfußlaufen? Macht Vorfußlaufen schneller? Kann man es wirklich erlernen? Ist das nicht nur etwas für ganz schnelle Läufer? Welche Möglichkeiten oder vielleicht sogar Risiken birgt dieser Laufstil?

Das Vorfußlaufen ist wie eingangs bemerkt sicher eine Bewegungsart, die vornehmlich bei forciertem Lauftempo zur Anwendung kommt.
Sie unterscheidet sich in einigen Punkten wesentlich vom Bild des "klassischen" Fersen- oder Rückfußläufers.

Der gewichtigste Unterschied zwischen beiden Techniken ist die Tatsache, dass beim Vorfußlaufen mit der Wadenmuskulatur ein weiterer Dämpfungsmechanismus zur Verfügung steht, der sich beim Fersenlaufen nicht findet.
Die Wadenmuskulatur arbeitet hier wie ein Zügel für die Ferse, die ja keinen Kontakt zum Untergrund hat: Die Druckbelastung wird sanft abgefangen und wirkt nicht schlagartig wie beim Aufprall der Ferse beim Rückfußläufer.

Außerdem ist die Phase vom Bodenkontakt bis zum Einsetzen der Pronation verlängert. Die Muskulatur ist somit bei Gewichtsbelastung des Fußes schon vorgespannt und in der Lage, die Pronation aktiv zu kontrollieren (M. tibialis posterior, M. flexor hallucis longus).
Dieser Effekt ist beim Rückfußlaufen weitestgehend erloschen. Die Schuhindustrie hat dieses Phänomen derweil auch entdeckt und verarbeitet Dämpfungsmaterialien zunehmend auf der Außenkante des Rückfußes, um die Zeit zwischen Aufprall und Eindrehen des Fußes zu verlängern und so der Muskulatur mehr Zeit zum Anspannen zu gewähren. Eine Verlängerung dieser Zeit ist so sicher gegeben, aber die überpronation lässt sich durch das Vorfußlaufen wesentlich effektiver korrigieren. Zur Rolle der Wadenmuskulatur, die beim Vorfußlaufen ja den größten Teil des Körpergewichtes trägt, ist zu bemerken, dass sie mit einem Kraftanteil von über 80 % der stärkste Supinator im Sprunggelenk ist und somit ebenfalls verstärkte Pronationstendenzen korrigieren kann.
Dies ist beim Fersenläufer nicht der Fall, da die Wadenmuskulatur (M. triceps surae) beim Aufprall der Ferse nicht vorgespannt ist. Der Fersenläufer "missbraucht" aus diesen Gründen die Innenbänder seines Sprunggelenkes für diese Aufgabe. Können diese der Belastung nicht mehr standhalten, resultiert das in einer überpronation. Die Vorfußlauftechnik ist aus den genannten Gründen durch geringere Stoßbelastung von Wirbelsäule und Gelenken gekennzeichnet und zusätzlich in der Lage, Fehlbelastung der Innenbänder des Sprunggelenkes und zahlreiche andere Probleme, die durch überpronation bedingt sind, zu vermindern. Natürlicher Bewegungsablauf Einen verstärkten körpereigenen Dämpfungsmechanismus und eine bessere muskuläre Kontrolle der Pronation.

Pronation
Man unterscheidet beim Bewegungsablauf sowohl eine Vorfuß- als auch eine Rückfußpronationsphase.
Diese Bewegungen betreffen nicht nur das subtalare Gelenk, sondern alle Strukturen der unteren Extremität. Die Pronation insgesamt trägt zur Dämpfung des Fußauftritts bei und ist abhängig von:
- dem Gewicht des Läufers
- der Koordination des Läufers
- den Bodenverhältnissen

Hyperpronation: Unter der Hyperpronation versteht man ein zu starkes inneres(mediales) Einknicken im unteren Sprungelenk. Eine Pronationsneigung von ca. 10 - 15° wird noch als physiologisch bezeichnet. Dabei berichtet NIGG , daß Barfuß keine vermehrte Pronation zu beobachten ist. Der Hyperpronation wir im Laufsport ein großes Schädigungspotential zugeordnet:
a.) Eine forcierte Pronation führt zu einer überbeanspruchung der die passive Pronationsbewegung auffangenden Muskulatur (u.a. shin splint).
b.) Forcierte Pronation führt zur überdehnung medialer Sehnen- und Bandstrukturen.
c.) Forcierte Pronation stellt eine außerordentliche Belastung des Kniegelenks infolge fortgeleiteter Rotation dar (Runner knee)

Die Hyperpronation wird besonders hervorgerufen durch:
- Fehlformen in der Statik
- Besonderheiten des Laufterrains

So stellt die Beschaffenheit des Laufterrains eine wichtige Variable für die Entstehung der überlastungsschäden dar. So kommt neben dem Einfluß der Geländeform, besonders den Materialeigenschaften des Bodens eine bemerkenswerte Rolle zu. Drei Eigenschaften, die vom Bodenbelag abhängig sind, kommen vor allem als Beschwerdeursache in Betracht.
1. Bodenhärte und Bodenelastizität ( vertikale Rückstoßkräfte)
2. Oberflächengleitfähigkeit ( Reibungswiderstand)
3. Bodenunebenheiten, rutschiger Untergrund ( verminderte Trittsicherheit)

 

Die DämpfungDie Dämpfung
Eine Stoßdämpfung der vor allem vertikal gerichteten Kraftkomponente geschieht muskulär, ligamentär und passiv durch das Fettpolster im Bereich des Fersenbeines. Aktiv muskulär wird die Dämpfung durch die bei der Pronationsbewegung eingesetzten Haltemuskulatur und durch ligamentäre Zuggurtung erreicht. Eine weiter "Dämpfung" erfolgt weiterhin durch :
- den Bodenbelag
- das Schuhwerk
- die Bewegungsführung

Die häufig auftretenden überlastungsfolgen werden dabei hervorgerufen durch die ungenügende Dämpfungsarbeit des Fußes oder durch eine Landung des Fersenbeines in Varusstellung oder zu ausgeprägter Valgisierung des Fersenbeines und entsprechender Pronationskippung. In diesem Zusammenhang sei der von CAVANAGH und LAFORTUNE (1980) beschriebene "Strike Index" erwähnt. Hiernach soll jeder Läufer von Natur aus eine unterschiedliche, durch den Strike Index überprüfbare Lokalisation des ersten Bodenkontakts haben. Dabei wird durch den Strike Index die Höhe des initialen Druckzentrums angegeben (Center of pressure).

Der Grund für die Angewohnheit fast aller Läufer, die Ferse abzurollen, ist im Schuhwerk zu suchen. Mit teilweise skurrilen technischen Entwicklungen vom Luftkissen bis zu Gel- und Neoprenpolstern in modernen Sportschuhen wurde diese Passivität im Laufstil erst ermöglicht und die eigene, interne Dämpfung des Bewegungsapparates entbehrlich.
Viele Läufer bremsen sich selbst aus Ohne sich allzu weit in die Biomechanik zu vertiefen, fällt folgendes auf: Beim Rückfußläufer zeigt die Ferse in der Aufsatzphase eine der Abstoßbewegung entgegengesetzte Bewegungsrichtung. Viele Läufer fallen ja regelrecht in ihren Schritt und erzeugen so eine "Bremsarbeit". Im Vorfußlaufstil erfolgt der Bodenkontakt des Fußes hingegen in einer Phase, in der die hintere Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur bereits eine Zugbewegung des Beines ausübt.
Diese Muskelgruppen können so wesentlich effektiver eingesetzt werden, da sich der Fuß beim Aufsetzen schon wieder in der Bewegungsrichtung für die Zugarbeit und den folgenden Abstoß befindet. Es gibt hier nur wenig "Bremsarbeit". Die bessere Wirkungsweise der hinteren Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur sowie die verringerte Abstoppbewegung in der Aufsatzphase sind wohl der Hauptgrund für die eingangs erwähnte Personengruppe, um auf dem Vorfuß ihre Medaillen zu erkämpfen und eben nicht auf dem Rückfuß.
Auch bei eingefleischten Rückfußläufern stellt sich eine Tendenz zum Vorfußlaufen übrigens spätestens bei einem schnellen Sprint ein. Dieses Bewegungsmuster ist also bei hohem Tempo eindeutig das effizientere. Temposteigerung ist für ambitionierte Athleten also durchaus ein Motiv, die Technik umzustellen. Aber wenigstens genauso interessant ist dieses Thema für Athleten mit zu starken Pronationstendenzen (Hyperpronation), die eventuell an sekundär entstandenen überlastungsschäden leiden. Sie haben hier eine interessante Möglichkeit, ihre "körpereigenen Pronationsstützen" zu reaktivieren.





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